Steegwirt ist Sieger der Gastgartenwahl OÖ. Nachrichten vom 29.9.03
Wirtshauskultur mit Tradition BAD GOISERN. Es reicht wohl nicht, einen schönen Gastgarten zu haben, um mit 2885 Stimmen die OÖN-Gastgartenwahl im Salzkammergut zu gewinnen. Und tatsächlich stimmt beim Steegwirt in Bad Goisern einfach alles...
Für Brigitte und Fritz Grampelhuber ist das Betreiben eines Wirtshauses nicht irgendein Gewerbe, sondern Kultur. Und auch die Fortsetzung einer alten Tradition. "Wie lange unsere Familie das Gasthaus besitzt, lässt sich nicht sagen", erklärt der 45jährige Gastwirt. "Ich weiß nur, dass schon meine Ururgroßeltern hier Gäste bewirtet haben."
Das denkmalgeschützte Gebäude an der Traunbrücke in Steeg ist rund 450 Jahre alt und hatte früher auch ohne Gaststube große Bedeutung. Denn hier, am Ausfluss des Hallstätter Sees wurde schon 1511 die Steegerklause gebaut. Wurden deren Schleusen geöffnet, trug das Wasser die Salzschiffe sicher über die Strudel und Untiefen der Traun hinab.
Umschlagplatz für Salz
Die Klause funktioniert übrigens heute noch, die schweren Pferde der Traunreiter stehen indessen schon lange nicht mehr in den Ställen des Steegwirts, und auch die Salzfässer werden hier nicht mehr von einem Schiff ins andere umgeladen. Trotzdem ist der Steegwirt eine zentrale Anlaufstelle für die alte Salztradition im inneren Salzkammergut geblieben. Fritz Grampelhuber war Wortführer und Pionier, als es vor Jahren darum ging, das kulturelle Erbe der Salzgewinnung zu bewahren und zu pflegen. Inzwischen wurde die Region zum Weltkulturerbe erklärt - und der Steegwirt ist ihr kulinarisches Aushängeschild. Dazu gehört die traditionelle Begrüßung mit Brot und Salz ebenso wie eine Speisekarte, auf der sich althergebrachte Speisen des Salzkammergutes wieder entdecken lassen. Gibt es bald "Ritschert"?
Zur Zeit arbeitet Grampelhuber, der in der Küche ebenso den Ton angibt wie als Kapellmeister bei der SGL-Carbon Steeg, an der Wiederentdeckung vom "Ritschert", dem typischen Gerste-Eintopf, von dem sich die Bergleute am Hallstätter See früher ernährten. "Wir haben einmal das Originalrezept nachgekocht, aber das wollte ich meinen Gästen nicht vorsetzen", lacht Fritz Grampelhuber. "Jetzt wird also getüfftelt, bis das "Ritschert" dem modernen Gaumen entspricht und Steegwirt-Niveau hat - und das ist hoch. Wer's nicht glaubt, der bestelle bei einer der Lederhosen-tragenden Kellnerinnen im Steegwirt "Bratl in der Rein". Das wird eine ganze Woche lang eingesurt, bevor es in den Ofen wandert. Entsprechend köstlich schmeckt es dann auch. Eigentlich nicht notwendig zu sagen, dass der Steegwirt auch beim Bier den alleinigen Vertretungsanspruch des inneren Salzkammerguts stellt. Sein "Hallstatt-Bier" wird von der Brauerei Schwechater exklusiv und kellertrüb für ihn abgefüllt. Schließlich gehört der gesunde Separatismus der Salzkammergütler auch am Stammtisch gepflegt.